Tantra – Irgendwas mit Sex, oder?

SexTantra

Written by: Jasmin

Tantra? Das ist doch irgendwas mit Sex, oder? Irgendwas mit Kamasutra? Hauptsache Sex und Massage und Orgasmen. Oder vielleicht doch nicht? Oder vielleicht schon, aber nicht nur? Sehen wir uns doch etwas genauer an, was es mit Tantra auf sich hat, wie es ursprünglich war, und was Neotantra sein soll.

Grundlagen

Tantra bezeichnet erst mal nichts weiter als eine Strömung innerhalb der indischen Philosophie und Religion. Sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus kommt dieser Begriff vor.

„Tantra“ leitet sich vom Sanskrit-Wort „tan“ ab, was so viel bedeutet wie „ausdehnen“. Man kann Tantrismus also mit Ausbreitung von Wissen, Gewebe oder Lehrwerk übersetzen. Also eine ganz andere Bedeutung, wie man es im Westen zuerst meint.

Einflüsse bezogen sich aus den verschiedensten Sekten, Strömungen, Bräuchen des frühen Indiens. Eine Collage aus Philosophie und Religion, wenn man so will.

Mittelalterliches Tantra diente dazu, einen König zu legitimieren, der ausländische Wurzeln hatte oder sogar aus einer niederen Kaste entsprungen war. In anderen Regionen geht es um das Beherrschen der Dämonen und des Exorzismus. Die übernatürlichen Aspekte des Tantrismus war jedoch der Elite vorbehalten, die damit übernatürliche Fähigkeiten erlangen wollte und ihre Beziehung zu höheren, göttlichen Wesen, klären wollte. Eine Verbindung von allem mit dem tantrischen Selbst war das Ziel.

Lehre

Tantrismus fällt unter die Erkenntnislehre und geht davon aus, dass das Relative mit dem Absoluten zusammenhängt. Es ist Ziel – wie in der Philosophie allgemein – zu einer höheren Einsicht zu gelangen, zur absoluten Wahrheit. Die höchste Wirklichkeit soll erkannt und verstanden werden. Mit rationalen Wissenschaften des Westens und der Philosophie der Aufklärung hat der Tantrismus nichts zu tun, denn dieser ist metaphysisch und allein spirituell basiert und auf solche Annahmen begründet. Auch wird an göttliche Entitäten geglaubt, die häufig ein weibliches Erscheinungsbild annehmen.

Um Erleuchtung erreichen zu können, ist die Befolgung des esoterischen Stufenweges unabdingbar. Auch wird geraten, sich als Schüler einem Lehrer, dem Guru, zu unterstellen, der einem dabei behilflich sein soll, seinen eigenen Weg zu gehen.

Die Grundlage dessen, was uns im Westen eher bekannt ist, ist das Prinzip der sexuellen Vereinigung. Die sieben Energiezentren des Körpers, die man Chakras nennt, erhalten im Tantrismus besondere Aufmerksamkeit. Durch sie fließt die Energie und neben Yoga und der Visualisierung ist auch der Sex ein Weg, näher zur Erleuchtung zu kommen und die Energie durch die Chakren fließen zu lassen, von denen einer auch die Genitalien sind.

Der Westen und der Neotantrismus

Buddhismus und Hinduismus haben sich Ende des 19. Jahrhunderts und vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts mehr und mehr im Westen verbreitet. Sie galten als exotisch, als neu, als Alternative zu allem, was man bis dahin kannte. Und so kam auch der Tantrismus in die westlichen Länder und prägte unsere Vorstellungen davon bis heute.

Ende der 1970er Jahre verbreitete sich das Neotantra immer weiter, sowohl in Europa als auch in den USA. Der indische Philosoph Bhagwan Shree Rajneesh wollte damit eine moderne Form des Tantrismus schaffen, mit einem verstärken sexuellen Aspekt, der im klassischen Tantrismus zwar eine Rolle spielt, aber viel geringer als man allgemein meinen würde. Mithilfe von Mediation soll die sexuelle Energie wieder erweckt und ganz neu transformiert werden. Und die sexuelle Motivation ist auch einer der Hauptbeweggründe für die meisten Menschen, sich einer solchen Praxis anzuschließen und sich dem Neotrantrismus zu öffnen. Auch gibt sich der Neotrantrismus einen psychotherapeutischen Anstrich, der vielfach kritisiert wurde und wird.

Fazit

Tantra ist Sex, aber nicht nur. Es ist ein Mittel, um höhere Wahrheiten zu finden und letztlich die Erleuchtung erlangen zu können. Die Quelle sind jahrhundertealte Sekten und Philosophien und vorrangig ist vor allem der metaphysische Aspekt, weniger der Sex, der hier nicht als Ziel sondern lediglich als Mittel zum Zweck gilt. Im Westen erscheint es heute vielfach verdreht, dass der Sex und der Orgasmus der Zweck seien. Das geht am wirklichen Tantrismus jedoch vorbei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.