Die Restaurantkatze war eine schmale getigerte. Als das Essen kam, hockte sie sich wie selbstverständlich neben uns und begann ihr Klagelied. Aufmerksame Augen schauten uns dazu groß an, es fehlte nur noch die Geste mit der Pfote zum Mäulchen. Schnurr schnurr schnurr… man war entweder ein Unmensch und scheuchte sie weg oder so geistesgestört wie unsereins und hatte extra Katzenfutter in der Tasche.
Da sich das Restaurant glücklicherweise draußen und direkt am Hafen befand, sollte es nicht schwierig werden, unbemerkt von Kellnern und Gästen (die einen durchaus berechtigt für vollkommen bekloppt halten mussten) etwas Futter auszulegen, die Restaurantkatze glücklich zu machen, und dann in Ruhe weiter essen zu können.
Ich stand also auf, um zur Tat zu schreiten. Die Restaurantkatze schien meine Bewegung falsch zu interpretieren, sprang direkt hinter meinem Rücken auf den Stuhl und nahm meinen Platz ein. Nur das beherzte Eingreifen meiner Frau konnte verhindern, dass sie sich sofort über den Lachs hermachte. Ich klemmte mir beherzt die Restaurantkatze unter den Arm, die anderen Gäste wurden schon aufmerksam, und brachte sie zu einem weniger Getuschel fördernden Platz. Als ich sie runter ließ, war die Restaurantkatze von meiner Aktion wenig begeistert, wartete nicht mal, bis ich das Futter ausgepackt hatte und empfahl sich auf rasante Art und Weise. Blödes Vieh. Aus sicherer Entfernung (Dachte sie, ich will sie im Hafenbecken ertränken?) wurde mir beim Drapieren des Tütchens Feuchtnahrung zugeschaut. Klassische Lockrufe blieben ungehört, die Restaurantkatze blieb auf Abstand. Zumindest kurz.
Nach der Rückkehr zum Tisch, war auch bald wieder die Restaurantkatze schnell an unserer Seite. Wir mussten noch mit ansehen, wie sie das Katzenfutter zumindest kurz beschnüffelte, bevor sie zielstrebig zu uns zurück kehrte. Verwöhntes Vieh. Sie bekam den halben Lachs und ein Viertel meines Fleischspießes. Kurz nach dem Bezahlen rutschte noch jemand auf dem Katzenfutter aus, aber da waren wir glücklicherweise schon auf der Straße.
